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Komitee gegen den Vogelmord - Committee Against Bird Slaughter
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Vogelschutz-Newsletter 10/2025

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Im August nimmt der Vogelzug richtig Fahrt auf. Das Fehlen der Mauersegler am Himmel ist derzeit wohl der deutlichste Hinweis darauf, dass viele Vögel bereits in Richtung Süden sind. In manchen Regionen kann man derzeit auch große Trupps von Störchen, Kiebitzen oder Staren an ihren Rastplätzen beobachten. Arten wie, Baumpieper, Braunkehlchen und Schafstelzen, viele Laub- und Rohrsänger sowie die ersten Greifvögel wie Fischadler und Wespenbussarde, haben sich bereits auf den Weg in ihre afrikanischen Winterquartiere gemacht. Deshalb starten wir nun auch unsere Sommereinsätze in vier Regionen des Mittelmeerraums:

Start unserer Sommer-Einsätze

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In Norditalien werden Komitee-Teams gegen den illegalen Singvogelfang vorgehen und die Alpen nach Netzen und Schlagfallen für Trauerschnäpper und Gartenrotschwänze absuchen. In Süditalien sind wir mit mehreren Teams gegen die illegale Zugvogeljagd von Greifvögeln und Gartengrasmücken im Einsatz. Ein weiteres Team ist auf Malta aktiv und kartiert illegale Watvogelfangplätze. Außerdem werden mehrere Mitglieder des Komitees und unseres Partners MESHC die ersten Kontrollen an den für Zugvögel gefährlichen Engpässen im Libanon durchführen und den Durchzug der Wespenbussarde überwachen. Wünscht uns und den Vögeln Glück!

Maltas schlimmster Wilderer erneut verurteilt!

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Das Gericht in Valletta verkündete das Urteil im Verfahren gegen einen Wilderer, der im September 2022 mit einer riesigen illegalen Sammlung geschützter Vögel von einem Team des Komitees gegen den Vogelmord überführt wurde. Nach einer Anzeige des Komitee-Teams führte die Polizei eine Durchsuchung an seinem Fangplatz in Għaxaq durch und fand neben dem Angeklagten ein aktives Schlagnetz sowie Volieren mit insgesamt 137 geschützten Vögeln. Darunter 16 Waldwasserläufer, 16 Flussuferläufer, 16 Bruchwasserläufer, 13 Flussregenpfeifer, 9 Zwergstrandläufer, 5 Sandregenpfeifer, 3 Stelzenläufer, 2 Temminckstrandläufer, 1 Grünschenkel, 1 Rotkehlpieper, 1 Schafstelze und mehr als 50 Finken. Angesichts der erdrückenden Beweislage gab der Mann die meisten Anklagepunkte zu. Die Richterin verurteilte ihn heute Mittag zu einem Jahr Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro. Die Vögel wurden wenige Tage nach der Razzia beringt und in Għadira, einem von unserem Partner BirdLife Malta verwalteten Naturschutzgebiet, freigelassen. Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen prominenten Wiederholungstäter, der bereits im Gefängnis saß, weil er im Januar 2002 illegal Höckerschwäne geschossen hatte. Der Vorfall sorgte damals für nationale und internationale Empörung, denn zusammen mit zwei Cousins hatte er die Schwäne mit einem Schnellboot über das Meer gehetzt und 7 der erschöpften Tiere geschossen. Seitdem haben wir ihn schon zweimal wegen Jagens während der Schonzeit und des Fangs von geschützten Watvögeln angezeigt.

Sehen Sie sich hier das Video an, das wir von der Beschlagnahme und der Freilassung der Vögel auf YouTube veröffentlicht haben.

Ende gut, alles gut für eine junge Wiesenweihe

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Nach 382 Tagen intensiver Behandlung in der Bergischen Greifvogelhilfe ist eine seltene Wiesenweihe in der Zülpicher Börde erfolgreich ausgewildert worden. Das junge Weibchen wurde als Jungvogel bei der Ernte von einem Mähdrescher erfasst und erlitt dabei schwere Gefiederschäden. Gerettet werden konnte sie und ihr Geschwistervogel – ein Männchen – nur dank der Aufmerksamkeit des Landwirtes, der die verletzten Vögel nach der Ernte entdeckt und sofort das Komitee und die Biostation verständigt hatte. Dank der fachgerechten Pflege und Ernährung in der Station hat ein Pechvogel in den letzten Monaten "durchgemausert" und verfügt nun - pünktlich zum Beginn der Zugzeit - wieder über einen kompletten Satz neuer Federn. Am Wochenende wurde die junge Weihe von Stationsleiter Dirk Sindhu sowie Mitarbeitern des Komitees gegen den Vogelmord (CABS), der Biologischen Station im Kreis Düren und des Landwirts unweit des Fundortes erfolgreich ausgewildert. Begleitet wurde die Aktion von NRW-Umweltminister Oliver Krischer, der selbst begeisterter Ornithologe und in der Zülpicher Börde zuhause ist. Das juvenile Männchen ist mit der Mauser altersentsprechend noch nicht so weit und muss sich bis noch zum nächsten Frühjahr gedulden.

Verfolgung von geschützten Greifvögeln in Deutschland

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Seit Januar hat unsere Erfassungsstelle für illegale Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) bisher 34 Fälle registriert. Dabei handelt es sich 10x um Abschüsse, 6x um Fang oder Nachstellen mit Fallen, 11x um bestätigte Vergiftungsfälle und 7x um sonstige Verfolgungsmethoden. Insgesamt sind 47 Vögel betroffen, darunter Mäusebussarde, Rotmilane, Habichte und Turmfalken. Ein weiterer mutmaßlich vergifteter Rotmilan wurde uns letzte Woche im Landkreis Landsberg am Lech (Oberbayern) gemeldet. Ein Komitee-Mitarbeiter hat den Vogel anschließend geborgen und zur Untersuchung an das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim bei München gebracht. In Simbach (LK Dingolfing-Landau) ermittelt die Polizei Niederbayern derzeit mit einem besonders großen Vergiftungsfall. Ende Juli wurden im Bereich eines Wäldchens 17 tote Greif- und Rabenvögel gefunden. Zuvor hatte die Polizei das Gebiet mit 25 Beamtinnen und Beamten großflächig abgesucht. Untersuchungen ergaben, dass alle Tiere vergiftet worden sind. Wenige Tage später wurde dann eine Hausdurchsuchung bei einem Verdächtigen durchgeführt, bei der verschiedene Datenträger sichergestellt wurden. Weitere Fälle wurden aus Hessen bekannt, wo im Schwalm-Eder-Kreis ein Mäusebussard mit Schrot beschossen wurde, sowie aus NRW, wo ein Habichtfangkorb von einem Spaziergänger bei der Polizei angezeigt worden ist.

Zusammen mit anderen Verbänden, Institutionen und Behörden sind wir Teil des deutsch-österreichischen LIFE-Projekts WildLIFE Crime. Hier finden Sie weitere Infos zum Thema Wildtierkriminalität in Deutschland und Österreich: https://wildlifecrime.info/

Kontrollen auf dem Vogelmarkt

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In Norditalien haben die Expertinnen und Experten des Komitees gegen den Vogelmord zusammen mit den Carabinieri einen Vogelmarkt kontrolliert. Neben dem Verkauf geht es dort auch um Ausstellungen und Gesangswettbewerbe, bei denen Tierhalter ihre Vögel um die Wette singen lassen. Bei Mailand haben wir nun insgesamt sechs Händler und Aussteller kontrolliert und gleich bei 25 Vögeln gefälschte oder manipulierte Zuchtringe festgestellt. Die Tiere – darunter Stieglitze, Feldlerchen und Baumpieper wurden offenbar illegal in der Natur gefangen und nachträglich als Zuchttiere "umetikettiert". Alle Vögel wurden umgehend beschlagnahmt, gegen vier Männer wurden schließlich Strafverfahren eingeleitet. In den kommenden Wochen sollen weitere Kontrollen stattfinden

4.000 Wilderer überführt!

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Das Komitee gegen den Vogelmord wird in diesem Jahr 50 - Zeit für eine kleine Statistik. Heute: Wilderer. In der ersten Zeit unserer Arbeit lag der Fokus auf dem Einsammeln illegaler Fallen und Netze. Erst später rückten die Wilderer selbst in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Erst nach und nach gelang die hierfür nötige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Polizei, was sich deutlich in den Zahlen widerspiegelt: Haben wir in den ersten 25 Jahren nur 303 Personen erwischt, sind es in der zweiten Hälfte unserer nun 50jährigen Vereinsgeschichte 3.711, zehnmal mehr! Italien als unser ältestes Einsatzgebiet liegt mit 2.439 Tätern ganz weit vorn, gefolgt von Zypern (671) und Malta (364). In Deutschland haben wir immerhin 153 Wilderer überführt. Nicht aus allen Jahren haben wir verlässliche Zahlen über das Geschlecht der Täter, aber wo sie vorliegen, zeichnen sie ein deutliches Bild: 99 % sind Männer!

Beste Grüße,

Alexander Heyd und Lloyd Scott